Der Frisör mit der Motorsäge

 In Baumpflege, Biotop Baum

Von weitem gut erkennbar und landschaftsprägend hatten Kopfweiden früher wichtige Funktionen und Aufgaben. So wurde durch den regelmäßigen Schnitt alle drei bis fünf Jahre Material für Brennholz, Bau- und Flechtmaterial (vor allem Krobflechten, Besen, Zäune,…), Viehfutter und Einstreu gewonnen. Die Weiden wurden in etwa 1 bis 3 m Höhe entastet und regelmäßig beschnitten, so dass dadurch das typische Erscheinungsbild – dicker knorriger Stamm mit buschiger Krone entstand.

Ökologische Bedeutung


Durch die ständige Bewirtschaftung entstand ein wichtiger vielfältiger Lebensraum für viele Tier-, Pflanzen- und Pilzarten. So bietet eine alte Weide mit Totholzanteil und Mulm zahlreichen Insekten und Vögeln, Fledermäusen, Mardern, Bilchen,… einen geeigneten Lebensraum. Hier kann man besonders den Eremit oder Juchtenkäfer hervorheben. Er gilt als „Schirmart“. Das heißt, wenn der Eremit vorhanden ist, deutet das auf eine hohe Artenvielfalt an holzzersetzenden Arten hin. Was in weiterer Folge auch viele verschiedene Vögel, Säugetiere etc. anlockt. Gerade in einer intensiv genutzen Kulturlandschaft, wie es das Weinviertel ist, sind diese Trittsteinbiotope und Korridore von immenser Bedeutung.

junge kopfweiden

alte Kopfweide mit Biberspuren

Trittsteinbiotope sind mehr oder weniger regelmäßig verteilte Flächen, deren Standortbedingungen zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen zeitweisen Lebensraum bieten. Die Vernetzung von ansonsten isolierten Lebensräumen und die Ausbreitung von Arten mit begrenzten Reichnweiten wird dadurch ermöglicht.

Die Kopfweiden sind landschaftsprägend. Ihr Standort ist entlang von Bächen, Wiesengräben, Grenzen, Feuchtgebieten und Teichen. Die Kopfweiden sind nicht eine spezielle Weidenart, sondern das Ergebnis der Nutzungsform. Hauptsächlich handelt es sich um Silberweiden, Korbweiden und Purpurweiden.

alte Kopfweide mit frischem Schnitt

Handlungsbedarf

Durch die Aufgabe der Nutzung von Kopfweiden sind diese Biotope gefährdet. Man hat vor einigen Jahren die Wichtigkeit der Kopfweidenpflege erkannt und durch Förderungen des Landes und Kurse für Interessierte können Kopfweidenbestände gepflegt und erhalten bleiben. Bereits 2021 haben wir bei der Kopfweidenpflege mitgeholfen. (Bericht Naturland Niederösterreich)

Unser Arbeitsjahr hat heuer mit genau dieser Arbeit begonnen. Wir durften über 100 Kopfweiden in der Region Leisser Berge pflegen und es gab auch zum dritten Mal ein Tagesseminar zum Kopfweidenschnitt.
Wir genießen diese Arbeit und freuen uns, dass der „radikale“ Schnitt mit der Motorsäge ausnahmsweise mal was Positives zum Naturschutz beiträgt.

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